Curves’n’Turns

Eine Weisheit der Indianer besagt, dass man immer wieder stehenbleiben und innehalten muss, wenn man sich in hoher Geschwindigkeit bewegt, damit die Seele nachreisen kann.

Für jemanden der in Österreich lebt, ist es im Grunde nicht sehr naheliegend einen Sport wie Surfen bzw. Wellenreiten auszuüben. Von Österreich braucht es im Schnitt mindestens 700 Kilometer mit dem Auto, um den nächsten halbwegs vernünftigen und konsistenten Surfspot zu erreichen.


Trotz diesem Umstand gibt es eine recht beträchtliche Anzahl von Surfern in diesem Land. Viele sind über Sportarten wie Snowboarden oder Skateboarden und deren entsprechenden Medien auf das Surfen aufmerksam geworden und versuchten sich in diversen Urlauben darin. Einmal die Begeisterung fürs Surfen gefunden, gestaltet man schon bald einen Großteil seiner Freizeit so, dass man möglichst oft seiner neuen Leidenschaft nachgehen kann. Die Urlaube werden immer länger und die Reiseziele immer exotischer. Tausende Flugmeilen und hunderte Autokilometer werden zurückgelegt. In Zeiten einer nahezu uneingeschränkten Mobilität ist das alles überhaupt kein Problem. Jedoch kommt man bei einer nüchternen Betrachtung schnell zu der Einsicht, dass der Aufwand und der damit verbundene ökologische Fußabdruck um ein Vielfaches zu groß sind. Man versucht seine weiten Reisen mit Argumenten wie z.B. dem Kennenlernen und dem damit einhergehenden Respekt für andere Kulturen zu rechtfertigen. In Wahrheit findet man sich jedoch auf Wegen und an Orten wieder, die vor allem vom Tourismus geprägt sind oder überhaupt erst durch diesen entstanden sind und mit der jeweiligen Kultur nur sehr wenig zu tun haben. Echte Bekanntschaft mit der ansässigen Kultur beschränken sich in der Regel auf wenige Ausnahmesituationen.

Wie kann man eine Reise gestalten, um diese vorgefertigten Wege zu verlassen, auf welchen im Vorfeld nicht nur Start und Ziel bekannt sind, sondern im Grunde auch alles was dazwischen liegt? Und ist es wirklich notwendig um die halbe Welt zu jetten, um sein höchst individualistisches, um nicht zu sagen egoistisches Bedürfnis nach schönen sauberen Wellen in einfachen und einem „Binnenlandsurfer“ angemessenen Bedingungen zu befriedigen?

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen wollen wir mit dem Fahrrad von Österreich in Richtung Sardinien aufbrechen. Die Fahrt wird mit Sicherheit deutlich umständlicher und anstrengender als mit dem Auto. Es ist aber sehr spannend, wenn plötzlich die Fahrt nach Sardinien zu einer richtigen Reise wird. Wir fahren dann nicht einfach nach Sardinien, sondern reisen dorthin. Das Reisen haben wir in gewisser Weise ohnehin verlernt. Man wechselt im Grunde nur mehr Orte. Wenn man in ein Flugzeug steigt, kommt man in einigen Stunden in einer anderen Welt mit einer anderen Kultur an. Aber diese Veränderung bekommt man unterwegs gar nicht mit. Eine Weisheit der Indianer besagt, dass man immer wieder stehenbleiben und innehalten muss, wenn man sich in hoher Geschwindigkeit bewegt, damit die Seele nachreisen kann. Vielleicht steckt da ein Funken Wahrheit drin. Jedenfalls eröffnen sich einem mit dem Fahrrad neue Wege und Möglichkeiten fernab von überfüllten Autobahnen und hochfrequentierten Linienflügen. Wir finden uns auf einsamen Wegen wieder, auf denen sicher weniger aber vielleicht umso interessantere Persönlichkeiten unterwegs sind und die Natur vermag uns in jedem Moment zu überraschen. Ohne Auto und Flugzeug, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, bekommt man eine andere Sicht auf viele Dinge und kann die Welt neu entdecken. Wir begeben uns auf eine Reise mit dem Ziel, unterwegs viele faszinierende Bekanntschaften zu machen, Abendteuer zu erleben und natürlich mit der Hoffnung auf die eine oder andere unvergessliche Surfsession.

Copyright Simon Van Hal

THANKS TO:
Citybiker.at – Gernot&Markus
Heimplanet – Stefan
Blue Tomato – Alex
Bäckerei Weissensteiner – Familie Weissensteiner
Carry Freedom – Bob
Paolo, Alessandro P., Alberto, Alessandro, Andy, Johanna, Ivan, Felix, … a big „Thank You“ to „DAWA“ (http://www.dawa-official.com) for permission to use their song „FREI“ (Album „this should work“ (c) 2013 by lasvegasrecords.at)

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